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offener Brief - Podogedanken / Blog - Praxis für Podologie in Bamberg

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offener Brief

Praxis für Podologie in Bamberg
Herausgegeben von in Podo-Arbeit ·
Tags: 31.08.14

Öffentliches Schreiben
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Was erwarte ich von meinem Verband?

Unterstützung in Hinsicht auf
-Ausbildung
- Fortbildung
-Öffentlichkeitsarbeit
-Kostenübernahme
-Vergütung
-Pflegeversicherung

Ausbildung:
Der Verband sollte sich dafür einsetzen, dass die Podologie als Ausbildungsberuf in ihrer jetzigen Form entweder ganz oder teilweise von der Öffentlichkeit gegenfinanziert wird.
Warum?
Podologie ist kein Traumberuf einer 17 oder 18 jährigen. Jugendliche wollen sich mit schönen, modischen Dingen umgeben. Daher sind die meisten Podologieschüler Quereinsteiger. Diese sind jedoch finanziell gebunden durch eine bereits bestehende Familie. Sie benötigen ein Einkommen um den Lebensunterhalt zu verdienen und die schulischen Aufwendungen abzudecken.
Es sollte eine Möglichkeit gefunden werden die Ausbildung zu finanzieren, wenn aus Altersgründen weder die Kfw-Bank noch Bafög greifen. Denn genau diese Altersgruppe ist es, welche sich für die Ausbildung entscheidet.
Sinnvoll wäre auch, die Ausbildung an eine Praxis zu binden, die dann ähnlich einem handwerklichem Lehrberuf die praktische Ausbildung übernimmt und dem Auszubildenden ein Ausbildungsgehalt zu zahlen.
Derzeit müssen Schulen leider schließen, bzw. eröffnen erst gar nicht,  da sich potentielle Schüler die Ausbildung einfach nicht leisten können (z.B. Plauen, Nürnberg, Bamberg, Marktredwitz u.v.m.).
Überarbeitung der Ausbildung in Hinblick auf die Anerkennung. Der potentielle Patient geht z.B. mit seinem Hühnerauge direkt zum Podologen/Fußpfleger. Daher muss der Podologe die Anerkennung mit Bestehen seiner Abschlussprüfung erhalten, Patienten auch ohne ärztliche Anweisung behandeln zu dürfen. Es kann nicht sein, dass der Podologe Patienten wieder wegschickt, um sich erst eine Verordnung (Privatrezept) vom Arzt zu holen, da er sich sonst gegenüber dem HeilprG strafbar macht. Die Patienten wandern dann lieber direkt zum Fußpfleger, der sich mit seiner geringeren Ausbildung um die Gesetzeslage keine Gedanken macht; oft auch aus Unwissenheit.

Fortbildung
Der Markt der Fortbildungen ist zurzeit gut gesättigt. Leider ist immer wieder zu beobachten, dass die Fortbildungen, die Punkte für die Kassenzulassung bringen bevorzugt werden. Somit werden Angebote die für den Podologen durchaus wichtig sind oft nicht gebucht, weil Sie sich nicht mit dem Thema diabetischer Fuß auseinandersetzen und somit keine Fortbildungspunkte erhalten. Für den Podologen entscheidet hier (verständlicherweise) zuerst der Kosten-/Zeitfaktor.
Hier sollte überarbeitet werden, dass auch andere wichtige Themen mit Fortbildungspunkten anerkannt werden um so ein besseres Bildungsniveau auf breiter Basis zu erreichen.

Öffentlichkeitsarbeit
Diese Woche ist es wieder einmal geschehen. Ein Internetportal, das sich schwerpunktmäßig mit Gesundheitsanbietern in dieser Region beschäftigt, hat mit keinem Wort die Podologie erwähnt. Warum? Weil sie gar nicht wissen, dass es diese gibt. Und das 12 Jahre nach Einführung des PodG. Ich habe dann mit den Betreibern gesprochen und diese mit Informationen versorgt. Die Dame hat mir zugesagt, dass die Podologie noch eingefügt wird. Hier zeigt sich wieder einmal wo die Arbeit des Verbandes gebraucht wird. Im der Öffentlichkeitsarbeit. Jeder Podologe wird in seinem Kreis darüber aufklären und auch in Seniorenvereinen u. Ä. die Arbeit vorstellen. Dennoch ist es immer wieder zu sehen, dass nicht mal Ärzte wissen, was der Unterschied zwischen Podologie und Fußpflege ist. Unter guter Öffentlichkeitsarbeit stelle ich mir vor, dass es eine informative Webpräsens gibt, dass es eine Präsentationsmöglichkeit in den regionalen Gesundheitsmessen gibt oder auch Flyer, die in Arztpraxen oder Apotheken ausliegen können. Viele Podologen wären z.B. bereit sich auf Gesundheitsmessen zu präsentieren, jedoch ist der finanzielle Aufwand für den Einzelnen viel zu hoch. Standmieten ab 500.-€, Materialien und vieles mehr sind da ohne Unterstützung nicht möglich.
Weiterhin ist es immer noch möglich, dass kosmetische Fußpfleger mit dem Zusatz medizinisch werben. Da Ihnen jedoch die Durchführung der medizinischen Arbeit auf Grund des HeilPrG verwehrt ist, dient das nur der Verwirrung und Täuschung der Kunden / Patienten. Dies ist kein Zustand, der auf Dauer bestand haben darf. Auch hier ist öffentlich Aufklärung durch die Verbände gefragt und nicht nur durch den regional einzelnen Podologen.
Kostenübernahme
Großen Bedarf gibt an einer Nachverhandlung mit den Krankenkassen über zumindest folgende Heil-, bzw. Hilfsmittel, die in den podologischen Katalog aufgenommen werden sollten:
 Podologische Komplexbehandlung bei anderen Risikopatienten/Erkrankungen als nur Diabetes mellitus
• Chemotherapie
• chron. Schmerzpatienten
• Apoplex
• Zustand nach Unfällen
• Warzenbehandlung
• Clavibehandlung  und vieles mehr


 Orthonyxiebehandlung
 Orthosen
 Druckschutz
 Wundverbände und Material
 Kompressionsstrümpfe anmessen

Vergütung
Leider ist die Vergütung durch die Krankenkassen am unteren Ende der Möglichkeiten.
Die Zahlen müssen entweder um mind. 30% angehoben werden und es müssen einige Artikel als Praxisbedarf – wie in der ärztlichen Praxis üblich – über die KK abgerechnet werden.
Zu diesen Artikeln zähle ich
• Verbandsstoffe
• Desinfektionsmittel
• Druckschutz
• etc.
Die Anforderungen, die an eine podologische Praxis gestellt werden sind derart kostenaufwendig, dass in einer kleinen Praxis (ein Podologe) mind. 3500.-€ bis 4000.-€ eingenommen werden müssen, bevor der noch zu versteuernde Gewinn über bleibt. Das sind bei 28,50€ ca. 140 Behandlungen oder 105 Stunden Patientenarbeit im Monat. Es ist eher von einem höheren Wert auszugehen, da zum Beispiel die Zeiten für verordnete Hausbesuche (Fahrzeiten), Praxisgrundreinigung, Fortbildungen, Verwaltung da nicht berücksichtigt werden.

Pflegeversicherung
Wie weiter oben schon ausgeführt, sollte der Heilmittelkatalog um einige Punkte erweitert werden. Genauso gehört aber auch dazu, dass die Pflegeversicherung die podologische Behandlung übernehmen muss.
Kein Pflegepatient ist so gesund um nicht als Risikopatient da zu stehen. Allein, wenn man das erhöhte Infektionsrisiko betrachtet. Die Symptome und Risiken, die der Diabetiker mit einem diabetischen Fußsyndrom aufweist, finden sich bei alten und schwerkranken Patienten genauso vor.
Daher sollte mind. ab Stufe II die Pflegeversicherung einspringen.
Haare kämmen wird genauso bezahlt wie das Wirken mit scharfen Instrumenten an den Patienten durch ungeschultes Personal. Das bezieht sich auf Nagelschnitt und Hornhautentfernung. Aber wie bei allen Risikopatienten ist hier ein Arbeiten mit sterilem Instrumentarium und einer entsprechenden Ausbildung unbedingt von Nöten.

Zusammenfassend:
Ich wünsche mir von einem Verband:
Darlegung der Arbeiten:  was tut der Verband für den einzelnen Podologen?
   Wo setzt er sich für die Belange des Berufes ein?
   Warum lässt sich einiges Durchsetzten und viel zu vieles eben nicht?
   Wurde überhaupt versucht einiges vom oben genannten durchzusetzen?

Es ist schön, dass es für einige Podologen inzwischen die Möglichkeit gibt den sektoralen HP abzulegen. Aber leider nicht für alle und nicht für alle im selben Rahmen. Die einen machen eine schwere schriftliche / mündliche Prüfung und andere brauchen nur nachzuweisen, dass Sie als Podologen keine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen. Vielen bleibt die Möglichkeit ganz verwehrt. Daher gehört dies in die Berufsordnung aufgenommen.
Es ist schön, dass es inzwischen eine Akademisierung des Berufes gibt. Aber bevor wir alle zum „Dr. pod“ werden, muss erst einmal die Basis stimmen. Siehe meine Ausführungen zur Ausbildung. Wichtiger ist derzeit, dass die Anzahl der Podologen dem Bedarf entspricht. Daher sind Anpassungen der Ausbildungsmöglichkeiten dringend nötig.

Dieses Schreiben möchte ich einer Öffentlichkeit zur Diskussion stellen und werde es daher nicht nur an die vertretenden Verbände senden, sondern auch in öffentlichen Medien verbreiten. Dies gilt nicht dem Verunglimpfen der Verbandstätigkeit, die wichtig ist und ohne die wir auch noch nicht da wären, wo wir derzeit sind. Ich habe nur im Augenblick den Eindruck, dass die Verbände ein wenig den Fokus verloren haben und ein Stillstand eingetreten ist, der dringend wieder in produktive Bahnen gelenkt werden muss. Daher bitte ich meinen Brief nicht lediglich als Kritik zu sehen, sondern als Hilfestellung mittels eines Gedankenaustausches durch alle Betroffenen. Nach dem Motto:
Alle für Einen, Einer für Alle

Carmen Ball
Podologin
Heilpraktikerin für Podologie
Kontakt:  



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1 Kommentar
Durchschnittliche Bewertung: 115.0/5
Walz Annette
2014-09-04 12:52:47
Ich habe vor Ihrem Schreiben höchsten Repekt. Aufmerksam bin ich durch die Praktikantin Frau Wagner.Sie war im Juli bei uns. Der Brief beinhaltet alles was auch mir auf den Herzen liegt. Ich finde auch daß man an die Öffentlichkeit gehen sollte. Viele Ärzte wissen nochnichteinmal daß es uns überhaupt gibt.
Ich bin gespannt wie die Verbände darauf reagieren. Kann ich in NÜrnberg die Podologen wo ich kenne auf diesen Brief aufmerksam machen, und sich dem anschließen?
Viele Grüße aus Nürnberg
Annette Walz

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